Kennziffernorientierungen für den langfristigen Leistungsaufbau

Nachfolgend können die Kennziffernorientierungen für den langfristigen Leistungsaufbau als PDF heruntergeladen werden. Für die Ausbildungsetappen des Grundlagen- und Aufbautrainings liegen ebenso Musterpläne vor, die in der Registerkarte der entsprechenden Etappe unter Kennziffern⇒Musterplanungen als PDF heruntergeladen werden können. Darüber hinaus befinden sich diese Pläne in der Trainingsdatendokumentations-Software TDSki und können somit für die tägliche Trainingspraxis als Arbeitsgrundlage dienen.

Detailübersichten zu den Kennzifferorientierungen

Erläuterungen zu den Kennziffern

In den nachfolgenden Aufklappboxen lassen sich die Erläuterungen zur methodischen Vorgehensweise bzw. zur verfolgten Strategie während der Erstellung der Kennziffern nachlesen. 

Intensitätsunterteilung im Grundlagentraining (GLT)

Da das GLT nicht als reduziertes Erwachsenentraining, sondern vielmehr als motorisches oder gar prinzipielles Lerntraining zu betrachten ist, sollten die jungen Sportler entsprechend auch lernen, ihre Trainingsbelastung richtig zu steuern. Kinder sollten zu Beginn zunächst zwischen „schnell“ und „locker“ differenzieren können. Eine andere Unterteilung macht für Kinder dieses Alters vor folgenden Hintergründen keinen Sinn:

  • Selten besteht die Möglichkeit, physiologische Steuergrößen, wie Laktat und Herzfrequenz, zu erfassen.
  • Das bewusste Ansteuern einzelner, sich in verschiedenen Intensitätsbereichen wiederfindender Stoffwechselprozesse, ist in diesem Alter und unter Berücksichtigung der inhaltlichen Zielstellung des GLT oft unzweckmäßig.
  • Die Fähigkeit, exakt zwischen mehreren Intensitätsbereichen zu differenzieren, ist in diesem Alter meist noch nicht ausreichend entwickelt.

ACHTUNG
Zu Beginn des GLT können die Sportler meist nur zwischen „locker“ und „schnell“ unterscheiden und entsprechend nicht ausreichend zwischen den einzelnen Intensitätsstufen differenzieren. 

Im Laufe des GLT sollte der Trainer deshalb beim Sportler ein Verständnis für die besondere Aufgabe und Funktion der Trainingssteuerung schaffen. Aus den beiden bisherigen Steuergrößen „schnell“ und „locker“ leiten sich die im weiteren Verlauf zu verwendeten Intensitätsbereiche ab (siehe Abbildung unten). Mit dem langsamen Heranführen des Sportlers an diese, wird die Grundlage für die Trainingssteuerung ab dem Aufbautraining (ABT) geschaffen.

Abschließend dazu ist hervorzuheben, dass in diesem Altersbereich der Trainer die beste Steuergröße des Trainings ist. Durch das Mitlaufen im Crosstraining, Begleiten auf dem Rad oder durch die Vorgabe von Zeiten auf definierten Strecken (unter Berücksichtigung der angestrebten Zielbelastung), lernen die Sportler die Geschwindigkeit so anzupassen, dass die innere Beanspruchung der geforderten Trainingsintensität entspricht.

Im Ergebnis erwirbt der Sportler dadurch die Fähigkeit zur korrekten Selbsteinschätzung und schafft damit die Voraussetzung für eine Übereinstimmung von subjektivem Belastungsempfinden und von durch den Trainer vorgegebener Intensität. Dies ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Leistungsentwicklung. Ein Missverhältnis hingegen ist eine der Hauptgründe für das Ausbleiben gewünschter Anpassungserscheinungen und darüber hinaus von Übertrainingssymptomen.

Unterteilung der TM Roller und Ski im GLT

Mit dem Beginn des Schülerbereichs ist zu empfehlen, die Trainingsmittel (TM) Roller und Ski verstärkt zur Technikentwicklung einzusetzen, da es zunächst darum gehen sollte, die TM am Fuß zu beherrschen.
Da die inhaltliche Ausrichtung des GLT eine grundlegend andere ist als im weiteren Verlauf des LLA, sollte sich eine Differenzierung innerhalb der TM an den Zielstellungen dieser Etappe orientieren. Dementsprechend werden die TM in ihrer Funktion unterteilt in „konditionierend“ und „VSA/Technik“, um eine fähigkeits- und fertigkeitsbezogene Ausbildung im Sinne der Konditionierung und der vielseitig skiläuferischen Ausbildung in beiden Techniken zu gewährleisten. Dies geschieht mit der Absicht, die gezielte Anwendung beider Stilarten für das ABT vorzubereiten.

Anteiligkeit Cross/Cross-Imitation

Das Trainingsmittel Cross ist eines der wichtigsten allgemeinen Trainingsmittel zur Entwicklung der Grundlagenausdauerfähigkeit. Dabei wird von Beginn an zwischen normalem Lauftraining und Cross-Imitation unterschieden. Zur Cross-Imitation zählen Bewegungsformen wie Skigang sowie Schrittsprünge mit und ohne Stöcke.

Cross-Imitation
Die Cross-Imitation ist ein zentraler Baustein des Sommertrainings und ein hervorragendes Trainingsmittel, um die sportartspezifische Kraftausdauer zu entwickeln. Dabei ist die Bewegung an die klassische Technik angelehnt. Die Etappe des GLT sollte dafür genutzt werden, die verschiedenen Elemente der Cross-Imitation zu erlernen (Skigang, Schrittsprünge). Dabei eignet sich im Schülerbereich insbesondere der Skigang, um von Beginn an, in einer sauberen Ausführung, gelenkschonend und trotzdem reizwirksam die Kraftausdauerfähigkeit zu entwickeln. Das Beherrschen einer stabilen Technik ermöglicht das Anwenden der unterschiedlichen Formen der Cross-Imitation in hoher Qualität und befähigt den Sportler im Verlauf des LLA weitere Varianten zur Steigerung der sportartspezifischen Schnellkraft und Kraftausdauerfähigkeit effektiv durchzuführen. Dies wiederum wird notwendig sein, um im Erwachsenenalter Trainingsreize zu setzen, die den aktuellen Erfordernissen der Sportart entsprechen.


Schrittsprünge (mit und ohne Stöcke) sind aufgrund der hohen Belastungen erst dann gezielt einzusetzen, wenn der Stützapparat ausreichend für die jeweilige Belastung vorbereitet ist. Sie sollten unter Berücksichtigung individueller Entwicklungsverläufe ab dem ABT Anwendung finden. Dementsprechend steigert sich die Anteiligkeit der Cross-Imitation am gesamten Crosstraining im Verlauf des LLA bis hin zu 35%, was dann im Seniorenbereich eine konstante Größe einnehmen sollte. Der entsprechend zunehmende Einsatz dieses TM soll die Schulung eines explosiven und zeitlich abgestimmten Abdrucks gezielt vorbereiten. Wie sich eine dementsprechende trainingsmethodische Vorbereitung bei unterschiedlichsten Bedingungen auf Schnee positiv auswirken kann, zeigen aktuelle Entwicklungen hinsichtlich der Realisierung Wettkampf-entscheidender Geländeabschnitte (Klaebo). Eine entsprechend angepasste Stocklänge (längere Stöcke als üblich verwendet, 75-80% der Körpergröße) soll sich an der Spezifik im Winter orientieren und dieser zugute kommen. Zugleich wird ein verstärkter Armeinsatz und eine dementsprechend andere, aber notwendige Beanspruchung provoziert als bisher.
Vor dem Hintergrund der enormen Bedeutung einzelner Kraftausdauer-Komponenten, der VO2max etc., ist die Cross-Imitation gleichzeitig das Trainingsmittel mit der aktuell vielleicht größten Bedeutung zur Erschließung von Leistungsreserven.


Abschließend ist noch einmal zu unterstreichen, dass das Trainingsmittel Cross-Imitation über alle Etappen des LLA Anwendung finden sollte. Aufgrund verschiedener Anforderungen ist jedoch stets darauf zu achten, in welchem Umfang die unterschiedlichen Trainingsformen in einer Etappe zur Anwendung kommen sollten.

Anteiligkeit Roller Klassisch/Skating

Beide Stilarten werden im Trainingsalltag zukünftig in einem Verhältnis von 40/60 (C/F) stattfinden. Sowohl trainingspraktische als auch leistungsstrukturelle Erfordernisse sind ausschlaggebend für eine derartige trainingsmethodische Ausrichtung im LLA.
Aufgrund des in jedem Gelände ständig gegebenen Abdrucks beim Rollertraining können Teiltechniken in Geländeabschnitten gelaufen werden, welche auf Schnee mitunter nicht realisierbar sind. Der damit verbundene, zu erbringende „Aufwand“ und die entsprechende Gesamtbeanspruchung des Sportlers innerhalb einer Trainingseinheit ist dadurch deutlich herabgesetzt; dementsprechend auch die Reizwirksamkeit. Oft werden dadurch die gewünschte Trainingsintensität und das damit verbundene Trainingsziel verfehlt. Schlussendlich wird ein hohes Maß an zeitlichem Aufwand betrieben und damit ein Umfang generiert, dessen Effektivität nicht der eines Skitrainings in der klassischen Technik entspricht.
Schließlich kommt hinzu, dass sich durch einen immer gegebenen Abdruck technische Defizite beim Sportler einschleichen, welche in der klassischen Technik auf Schnee sichtbar werden und oft nur schwer zu beheben sind.
Um dem vorzubeugen, ist schließlich die Cross-Imitation hervorragend geeignet. Mit der weiter oben beschriebenen höheren Gewichtung der Cross-Imitation geht also die Schulung von, der klassischen Technik innewohnenden, Bewegungsmustern nicht verloren. Vielmehr können die wesentlichen Merkmale dieser Technik (explosiver und zeitlich abgestimmter Abdruck) in Verbindung mit einer hohen Reizwirksamkeit hervorragend ausgebildet und entwickelt, und wunderbar auf Schnee transferiert werden.

Zeitpunkt der ersten bedeutenden Umfangssteigerung

Der erste deutliche Belastungssprung sollte gegen Ende des Anschlusstrainings (AST) erfolgen. Die Vorgaben in den Kennziffernorientierungen stellen eine Orientierung dar. Wann also die Belastungssteigerung einsetzt, hängt von der schulischen Ausbildung der Sportler ab und ist entsprechend dieser Situation, an passender Stelle innerhalb des vorgegebenen Korridors und des jeweiligen Zeitraums zu platzieren. In unserem Fall gehen wir davon aus, dass im Alter von 19 bis 20 Jahren die Schule beendet wird. Dementsprechend flacht in diesem Zeitraum das Belastungsmaß etwas ab. Nach Beendigung der Schule im Alter von 20-21 Jahren, mit Verlassen des Juniorenbereichs, folgt dann der Belastungssprung.

Wird die Schule früher oder später beendet, verschiebt sich der Belastungssprung entsprechend.

Zeitpunkt der zweiten bedeutenden Umfangssteigerung

Bevor es zu der zweiten entscheidenden Belastungssteigerung kommt, wird das Trainingsjahr nach der ersten größeren Umfangssteigerung (20-21 Jahre) moderat gestaltet. Diese Vorgehensweise ist vor folgendem Hintergrund einzuordnen:
Nach Beendigung der Schule eröffnet sich für den Sportler eine völlig neue Lebenssituation: Durch die Zugehörigkeit zu einer Behörde können zum einen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die weiterhin ein professionelles Training möglich machen. Gleichzeitig fordern Ausbildungszeiträume ein völlig neues Zeitregime, welches die Organisation des Trainings mitbestimmt. Ausbildung und Training sind hier optimal aufeinander abzustimmen. Diese Phase sollte genutzt werden, um im Krafttraining neue Akzente zu setzen. Ein Ziel kann es hierbei sein, das Maximalkraft-Niveau anzuheben. Um den Übergang Junioren-Senioren erfolgreich zu gestalten, folgt der zweite Belastungssprung im zweiten Jahr des U23-Bereichs.
Das bedeutet, dass die auf den Sportler einwirkenden Veränderungen und Besonderheiten so zu berücksichtigen sind, dass hier Möglichkeiten zur reizwirksamen Belastungssteigerung geschaffen werden, um das entscheidende Ziel dieses Altersbereichs, den Anschluss an das internationale Niveau im Seniorenbereich herzustellen, zu erreichen.

Umgang mit alternativen Trainingsmitteln zur Entwicklung der Ausdauer (AAT)

Die Dominanz des Doppelstockschubs im Wettkampf führt zu einer Veränderung leistungsstruktureller Anforderungen an den Sportler. Um diesem gerecht zu werden ist es notwendig, der lokalen Muskelausdauer des Oberkörpers mehr Beachtung zu schenken und somit junge Athleten langfristig zielgerichteter auf die Erfordernisse des modernen Skilanglaufs vorzubereiten. Die Trainingsmittel Kanu/Kajak und Schwimmen sind hierfür hervorragend geeignet. Dementsprechend müssen diese TM bzgl. der Erfassung der Trainingsintensitäten in gleichem Maße behandelt werden, wie alle anderen TM auch. Folglich sind Kanu/Kajak und Schwimmen nicht mehr nur als ergänzendes Training einzuordnen und zu protokollieren, sondern ihnen kommt - wie dem TM Rad auch - die Bedeutung und die Wertigkeit eines TM für das alternative Ausdauertraining zu.
Die TM Kanu/Kajak und Schwimmen zielen besonders auf die Entwicklung der lokalen Muskelausdauer des Oberkörpers sowie auf das Ausnutzen der speziellen Anforderungen an die Rumpfmuskulatur ab. Losgelöst von der spezifischen Bewegungsaufgabe eines Skilangläufers lässt sich hier auf allgemeinem Weg ein reizwirksames Ausdauertraining realisieren.
Grundvoraussetzung dafür ist jedoch eine entsprechend vortriebswirksame und zweckmäßige Technik in beiden TM. Ist diese nicht vorhanden, ist der Sportler permanent energetisch und technisch überfordert, was schließlich einen gezielten Einsatz der TM für das Ausdauertraining erschwert oder gar verhindert. Daher ist besonders im GLT der Fokus auf das Erlernen einer sauberen Bewegungsausführung zu richten, um diese im Verlauf des LLA für das alternative Ausdauertraining anwendbar zu machen.

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