Grundsätzlich ist das realisieren einer sauberen und damit effektiven Bewegungstechnik auch unter Ermüdung eines der Hauptziele des Skilanglauftrainings. Das die Bewegungstechnik durch die Ermüdung beinflußt wird, hat sicherlich auch schon jeder am eigenen Leib erfahren. Nachfolgend soll kurz beschrieben werden welche Ursachen und Zusammenhänge zu diesem Phänomen führen.
Was versteht man eigentlich unter Ermüdung?
Ermüdung ist zu unterscheiden in akute und chronische Ermüdung
Akute Ermüdung (physisch) wird als eine 1) akute Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit; 2) als das Unvermögen der Aufrechterhaltung eines Kraftniveaus oder 3) als vorübergehende Abnahme der Arbeitsfähigkeit definiert. (Zory, 2008)
- ODER: Ermüdung ist definiert als akute Leistungsbeeinträchtigung, unabhängig davon, wie die Leistung quantifiziert wird (Kraft, Leistung oder Geschwindigkeit).
- Von dieser Zusammenstellung ausgenommen ist die chronische Ermüdung; auch bekannt als Übertrainings-Syndrom mit weitreichenden Auswirkungen auf physische und kognitive Leistung / Leitungsfähigkeit / Leistungsparameter.
Welche äußeren (Bewegungs-) Merkmale sind bei akuter Ermüdung sichtbar?
Wesentliche Veränderungen der Bewegungsmuster (biomechanische Beschreibungen) in den jeweiligen Techniken in Kombination mit verschiedenen Geländearten sind:
- bei flachen Terrain: verkürzte Zykluslängen, verminderte Zyklusgeschwindigkeiten + kürzere Gleitphasen ABER bei ansteigenden Terrain: die Zyklen der schnelleren Skifahrer sind entweder kürzer oder ähnlich wie die der langsameren Athleten (Stöggl, 2018)
- Eigenwillige, plötzliche und ständige Änderungen bzw. Wechsel innerhalb der klassischen Techniken, in Bezug auf die in der Literatur vorgeschlagenen (Ideal)Techniken bei flachen oder unterschiedlich steilen Geländeformen. (Stöggel, 2018; Pellegrini, 2013)
- Zu viele Technikwechsel im mittleren Gelände, idealerweise wenig oder kein Technikwechsel, Doppelstock oder Doppelstock mit Zwischenschritt sollten präferiert werden, wenig oder kaum Einsatz des Diagonalschritts
- Bei 15km klassisch Rundkurs, z.B. 3x5km, besondere Beachtung der gewählten Technik in der zweiten Hälfte des Rennens (Welde, 2017) ⇒ wenn veränderte Technik durch Trainer / Betreuer erkannt wird ⇒ verbale Hinweise geben, Schlüsselwörter vereinbaren
- Streckenunabhängig: verstärktes Abbeugen / Abknicken des Oberkörpers verursacht reduzierte Leistungsabgabe (power output) während der Doppelstock-Technik (Bucher, 2018)
- Genauer: Belastungsabhängige Ermüdung des Rumpfes verursacht erheblichen Rückgang der Doppelstock-Leistung, ausgelöst durch verringerte Arbeit pro Zyklus und Zyklusrate Hintergrund: Spitzendrehmoment bei isometrischer Rumpfbeugung nimmt bis zu 66% ab, bei Rumpfstreckung nur um 7% (Bucher, 2018)
- Stabilitätsverlust während der Übergänge z.B. von mittleren Anstiegen zu steilen Anstiegen, etc. (Cignetti, 2009)
- Schubzeiten (pooling times) verlängern sich bei Verringerung der (Lauf)Geschwindigkeiten (Losnegard, 2019)
- schnellere Skifahrer beginnen, im Vergleich zu langsameren Skifahrern, die Schubphase mit den Stöcken in einer deutlich vertikaleren Position wie auch der Rumpf in einer deutlich vertikaleren Position steht. Schnellere Skifahrer zeigen auch einen kleineren minimaleren Ellenbogen-, Hüft- und Kniewinkel, sowie eine höhere Stockkraft während der kürzeren Dauer der Stockphase. (Holmberg, 2005)
Weitere Faktoren fördern eine akute Ermüdung
- Zu häufig wechselnde Geländeformen, z.B. moderate Anstiege vs. steile Anstiege erfordern hohe Antriebswirkung der Arme / hoher Einsatz der Armmuskulatur (v.a. in der klassischen Technik) wodurch die Kraftgrenze (force limit) schneller erreicht wird, da die Arme geringere Vortriebskräfte als die Beine erzeugen (Pellegrini, 2013)
- übermäßige Länge der Trainings- und Wettkampfstrecken
Eher untergeordnet:
- Wechselnde Umweltbedingungen wie z.B. Temperaturänderungen /-Schwankungen zu verschiedenen Tageszeiten
- lange Reisezeiten z.B. bei entfernten Trainings- oder Wettkampfstätten
- Wechsel der Schneearten innerhalb einer Strecke (Natur- vs. Kunstschnee)
- Einwirkung von verschiedenen externen Stressoren wie z.B. Zeitdruck, ungünstige Zeitpunkte der Nahrung- und Flüssigkeitsaufnahme, emotionaler Stress
Welche inneren Faktoren (nicht sichtbar) fördern die akute Ermüdung?
- Entleerte Glykogenspeicher, besonders die kleinen Muskeln der Armmuskulatur, mit geringer oxidativer Kapazität, die bei steilen Anstiegen immer wieder gefordert werden (Pellegrini, 2013), ggf. Gel / Flüssigkeit anreichen
- Psychische oder kognitive Ermüdung: Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, Hinterfragen des Sinns der Aufgabe, Entwicklung von Strategien zur Beendigung der gegenwärtigen Situation (z.B. harte Trainingseinheit), Verlust oder Verminderung der Aufmerksamkeit im Verlauf der Trainingseinheit
- zu kurze Regenerationszeiten für die Muskulatur; < 12h
- beeinträchtigter oder unterbrochener Nachtschlaf (Kremzner, 2019)